Ist
Astrologie eine Wohlfühllehre?
Hannelore Traugott: Wohlfühllehre
ist sehr zeitgeistig. So gesehen ein klares Nein. Ein Horoskop
können Sie mit einem Plan vergleichen, der zeigt, was
in einem Menschen angelegt ist. Ein Astrologe ist
also ein Planleser, er deckt auf. Nun stellt sich die Frage,
ob dem Menschen gefällt, was aufgezeigt wird. Manche
Dinge hören wir gerne, manche gefallen uns nicht so.
Was ist die Basis der Astrologie?
Traugott: Die Astrologie
ist ungegähr 3000 v. Chr. entstanden. Der Mensch
beobachtete jahrtausendelang Erscheinungsformen in der
Natur, um das Leben zu begreifen und ordnen zu können.
Dabei entdeckte er, dass bestimmte Konstellationen am
Himmel mit bestimmten Erscheinungen oder Ereignissen auf
der Erde korrespondieren. Es sind im Grunde ähnliche
Beobachtungen wie wir sie in alten Bauernregeln finden
wie: Wenn die Schwalben niedrig fliegen, kommt ein Gewitter.
Wir lesen Zeichen, die Schwalben verursachen jedoch nicht
das Gewitter. Bei der Astrologie sind nun nicht die Vögel
die Beobachtungsebene, sondern die Sterne. Heute sind
Sternenkonstellationen schnell über Bücher und
Computer abzurufen, früher musste ein Astrologe auch
astronomisch gebildet sein.
Heißt das, dass Astrologie
früher vorwiegend in gebildeten Kreisen angewandt
wurde?
Traugott: Große
Köpfe wie Hippokrates, Plato, Kepler waren früher
astrologiekundig, in der Renaissance wurde Astrologie
an vielen Universitäten wie Bologna, Padua, Mailand,
Oxford, Prag usw. gelehrt. Sie ist vielmehr in den letzten
Jahrhunderten - nicht zuletzt durch die Inquisition -
in Verruf geraten und fristete bis in jüngste Zeit
eher ein Jahrmarktdasein. Leider ist derlei Umgang mit
der Astrologie bis heute nicht verschwunden, aber die
Astrologie hält das meiner Meinung nach aus.
Sterne lügen nicht! Sind
das nur Schlagwörter, oder gibt es dazu etwas zu
sagen?
Traugott: Der Satz ist
total strapaziert und abgelutscht. Sterne tun überhaupt
nichts, zumindest nichts was ich weiß, und daher
lügen sie auch nicht. Schwalben machen ja auch kein
Gewitter nur weil sie tief fliegen. Der Satz ist eigentlich
Nonsens.
Die meisten Menschen kennen neben
ihrem Sternzeichen den Aszendenten. Welche Aussage hat
er?
Traugott: Der Aszendent
ist der persönlichste Punkt im Horoskop - er steht
dafür, wie wir in die Welt treten, wie wir auf andere
wirken, wie uns andere sehen.
Die Sonne entspricht dem allgemein bekannten Sternzeichen,
sie ist unser Motor der alles antreibt. Jeder Planet entspricht
einem Prinzip. Der Mond z.B. zeigt, was wir brauchen um
uns wohl zu fühlen, zeigt, unser Vertrauen in die
Welt, unsere elementaren Bedürfnisse.
Interessieren sich nur Menschen
mit Problemen für Astrologie?
Traugott: Nein. Manche
Menschen lösen Konflikte mit Hilfe der Astrologie,
andere wiederum kommen, um für bestimmte Dinge einen
günstigen Zeitpunkt zu finden. Durch Astrologie können
Menschen ihre persönliche Entwicklung unterstützen,
sich selbst besser kennen lernen. Wenn ich z.B. immer
eine bestimmte Affinität für dominante Menschen,
Übermütter, Überväter, machtvolle
Chefs udgl. habe und mit ihnen ständig in Autoritätskonflikten
liege, zeigt mir die Astrologie, worin meine Resonanz
für diese Menschen besteht und was es zu begreifen,
zu integrieren gilt. Das wird bei einer Beratung besprochen.
Welchen Ablauf hat eine Beratung
bei Ihnen?
Traugott: Meist wird beim
telefonischen Erstkontakt besprochen, welche Wünsche
der Klient hat. Will er ein Kinderhoroskop, wo Talente
und Begabungen und natürlich der Ausbildungsweg im
Mittelpunkt stehen, will er eine Berufsberatung, eine
Partnerschaftsanalyse, die Jahrestendenzen usw.
Für die Horoskoperstellung brauche ich Geburtstag,
Geburtsort und die exakte Geburtszeit. Auf dieser Basis
wird eine Analyse erstellt und in einem persönlichen
Gespräch mit dem Klienten erörtert.
Wenn mein Leben aus den Fugen
gerät, kann Astrologie mir helfen, es wieder neu
zu ordnen, es zu verstehen?
Traugott: Ja, Astrologie
hilft zur Selbstannahme, erhellt Schatten und blinde Flecken
und hilft Projektionen zurückzunehmen. Bei festgefahrenen
Situationen zeigt sie neue Wege auf. Sich für einen
neuen Weg entscheiden und ihn einschlagen kann der Mensch
jedoch nur selbst.
Wie kann man Astrologie im Berufsleben
nützen?
Traugott: Vielseitig.
Sind Männer schwerer vom
Sinn der Astrologie zu überzeugen als Frauen?
Traugott: Jein. Es gibt
Männer mit einem extrem guten Zugang zur Astrologie.
Nur nähern sie sich dem Thema häufiger über
die intellektuelle Ebene, während Frauen sich oftmals
intuitiv angesprochen fühlen.
Ist Astrologie logisch?
Traugott: Ist ein Symbol
logisch? Ein Symbol ist ein Bild und Bilder spotten den
logischen Gesetzen. Ein Symbol ist ganzheitlich und es
bedarf einer guten Interpretation, die für den Klienten
schlüssig und verständlich ist. Astrologie bedeutet
analoges Denken und nicht kausales.
Wird Astrologie manchmal überbewertet?
Traugott: Manchmal ja.
Astrologie ist keine Ersatzreligion. Sie kann auch eigene
Erfahrungen nicht ersetzen, sondern sollte unterstützen
sie vollherzig zu machen.
Birgt die Astrologie auch Gefahren?
Traugott: Für mich
ist die Astrologie ein wertvolles Instrument und wie alles
kann sie auch missbraucht werden. Fatalistische Aussagen
legen fest und mit einer rigiden "Ich sage dir wer
du bist Haltung" wird über Menschen dominiert,
werden Abhängigkeitsverhältnisse geschaffen.
Manche Klienten versuchen auch über eine falsch verstandene
Astrologie Eigenverantwortung abzugeben. Wenn mir ein
Astrologe konkrete, festlegende Ereignisse in der Zukunft
voraussagen würde, würde ich auf der Stelle
gehen.
Sie haben ein Buch über Lilith geschrieben. Was bedeutet
Lilith?
Traugott: In der Mythologie
ist Lilith die erste Frau Adams. Nach einem Streit mit
ihm verließ sie das Paradies. Sie steht also für
Verlorenes. Astrologisch wird Lilith mit dem Schwarzen
Mond gleichgesetzt, und der steht für Verdrängtes,
welches heimgeholt und integriert werden will. So werden
Versteinerungen gelöst und wir werden saftiger, lebendiger,
erotischer.
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